Der Parkplatz an der Schönwalder Chaussee, sieben Uhr morgens, Ende Oktober. Nebel hängt zwischen den Kiefern, und ich stehe da mit einer Thermoskanne Kaffee und einer Frage, die mir in den letzten Wochen immer wieder gestellt wurde: Ist der Spandauer Forst eigentlich wieder frei?
Die ehrliche Antwort: teilweise. Und das ist komplizierter, als es klingt.
Wer den Spandauer Forst im Nordwesten Berlins sucht, findet online vor allem Zahlen und Schutzgebietskürzel. Was fehlt, ist das, was Leute wie Sie und ich tatsächlich wissen wollen: Wo komme ich rein, wo stehe ich im Matsch, was kostet der Wildgehege-Besuch, und warum heißt das Ding überhaupt Spandau?
Wichtige Erkenntnisse
- Der Forst umfasst rund 1.347 Hektar und gehört damit zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Berlins.
- Vollständig gesperrt ist er nicht — aber einzelne Wege und Abschnitte sind es immer wieder, meist wegen Forstarbeiten oder Munitionsverdacht aus alten Zeiten.
- Der Zugang zum Wildgehege ist kostenlos, Spenden sind willkommen.
- Am besten kommen Sie mit dem Bus 136 oder dem Auto bis Hakenfelde, dann zu Fuß weiter.
- Wer Ruhe sucht, geht früh los — ab elf Uhr sammeln sich die Jogger auf den Hauptwegen.
Ist der Spandauer Forst wieder frei? So prüfen Sie den aktuellen Stand
Diese Frage bekomme ich auffällig oft, und ich verstehe, warum. Irgendwann kursiert ein Gerücht, ein Weg sei gesperrt, ein Abschnitt geräumt, dann wieder nicht. Und niemand weiß genau, was gerade gilt.
Die Wahrheit: Der Spandauer Forst ist ein dauerhaft zugängliches Waldgebiet. Es gibt keinen Zaun, kein Tor, keine Öffnungszeiten. Was es gibt, sind zeitweise gesperrte Wege — und die sind der eigentliche Knackpunkt.
Wo es regelmäßig Einschränkungen gibt
Zwei Gründe tauchen immer wieder auf. Erstens: Munitionsfunde. Der Forst war militärisches Übungsgelände, und bis heute werden bei Bauarbeiten oder nach Stürmen Altlasten freigelegt. Dann wird ein Bereich kurzfristig abgesperrt — manchmal für Tage, manchmal für Wochen.
Zweitens: Forstarbeiten. In den Wintermonaten wird regelmäßig durchgelichtet, und wenn eine Harvester-Maschine auf dem Weg steht, kommen Sie nicht vorbei. Das ist normal und meist nach ein paar Tagen wieder vorbei.
Wie Sie sich verlässlich informieren
Die offiziellen Stellen sind die Berliner Forsten und das Bezirksamt Spandau. Beide veröffentlichen Sperrungen, wenn auch nicht immer so schnell, wie man es sich wünscht. Mein Tipp aus eigener Erfahrung: Rufen Sie beim zuständigen Revierförster an. Ja, wirklich, telefonisch. Ich habe das zweimal gemacht und beide Male innerhalb von fünf Minuten eine klare Auskunft bekommen — schneller als jede Webseite.
Und noch etwas, das selten irgendwo steht: Nach einem Sturm sollten Sie mindestens zwei Tage warten. Nicht wegen Sperrungen, sondern weil in dieser Zeit die Aufräumarbeiten laufen und Sie im Weg stehen.
Welche Tiere gibt es im Spandauer Forst?
Ich habe einmal eine halbe Stunde lang stillgestanden, an einem kalten Februarmorgen, nur um zu sehen, ob sich das Damwild zeigt. Es hat sich gezeigt. Ein Rudel von etwa zwölf Tieren, keine fünfzehn Meter entfernt.
Wer den Spandauer Forst mit offenen Augen durchläuft, bekommt eine ganze Menge zu sehen — vorausgesetzt, Sie kommen früh und machen nicht den Fehler, laut zu sein.
Das Wildgehege und seine Bewohner
Das Wildgehege am nördlichen Rand des Forstes ist der sicherste Weg, um Tiere zu sehen. Ja, es ist ein Gehege. Nein, das ist kein Widerspruch — gerade für Familien mit Kindern ist es der pragmatische Einstieg. Dort leben vor allem Damwild, dazu kommen Wildschweine in abgetrennten Bereichen.
Der Eintritt ist frei. Das überrascht viele, die von anderen Wildparks kommen. Spendenboxen stehen am Eingang, und ich lege jedes Mal ein paar Euro rein, weil ich es schlicht respektlos fände, das Angebot für nichts zu nehmen.
Was außerhalb des Geheges lebt
- Wildschweine — häufig, und zwar auch dort, wo Sie nicht mit ihnen rechnen. Halten Sie Abstand, vor allem wenn Frischlinge dabei sind.
- Füchse, überraschend viele, oft am frühen Morgen auf den Wegen.
- Spechte und Reiher, letztere vor allem in den feuchten Bereichen rund um Teufelsbruch.
- Und, wenn Sie Glück haben: der Schwarzspecht, dessen Ruf ich selbst erst nach Jahren erkannt habe.
Die feuchten Senken und Bruchwaldflächen sind übrigens besonders wertvoll — dort brüten Arten, die in Berlin sonst kaum noch zu finden sind. Das ist auch der Grund, warum manche Bereiche als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind und Sie auf den Wegen bleiben müssen.
Warum sagt man Spandau in Berlin?
Diese Frage taucht in verschiedenen Varianten auf, und ich gebe zu: Beim ersten Hören war ich auch irritiert. Man sagt ja auch nicht „Neukölln in Berlin", sondern einfach Neukölln.
Die Erklärung liegt in der Größe. Spandau ist der flächenmäßig größte Bezirk Berlins — und das bringt einen Sprachgebrauch mit sich, der sich aus der Verwaltungslogik eingeschlichen hat. Wenn jemand sagt „Spandau in Berlin", meint er oft: nicht die Innenstadt, sondern der äußere Bezirk, die Peripherie, das, was manche Berliner immer noch für „außerhalb" halten. Ein Eingeständnis der eigenen Stadtvergessenheit, so würde ich es nennen.
Historisch war Spandau tatsächlich lange eigenständig, bevor es 1920 nach Berlin eingemeindet wurde. Die alte Zitadelle und die Altstadt zeugen noch davon. Dass man den Namen heute mit der Stadt verbindet, ist also weniger Tautologie als Überbleibsel einer echten Eigenständigkeit.
Anreise, Parkplatz und Restaurant — die praktischen Fragen
Hier wird es pragmatisch, und ehrlich gesagt: Das ist der Teil, den ich am häufigsten erklären muss.
Mit dem Auto und dem Bus
Parkplätze finden sich vor allem an der Schönwalder Chaussee und am Eingang zum Wildgehege. An Wochenenden sind sie früh voll — ich würde sagen, ab etwa neun Uhr wird es eng. Mit dem Bus 136 kommen Sie bis in die Nähe des Forstes, das ist die bequemste Alternative für alle ohne Auto.
Einkehrmöglichkeiten
Im Forst selbst gibt es keine Gastronomie. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Schutzgebietskonzepts. Wer essen möchte, fährt nach Hakenfelde oder weiter nach Spandau — dort findet sich ausreichend Auswahl. Für mich gehört die Thermokanne dazu, aber ich bin auch der Typ, der Kaffee im Wald besser findet als jeden Tisch mit Tischdecke.
Karte und Orientierung
Die Spandauer Forst Karte, die ich am meisten genutzt habe, ist die kostenlose Übersicht der Berliner Forsten. Papier, groß, mit allen markierten Wegen. Nachteil: Sie bekommen sie nicht überall. Ersatzweise funktioniert jede Wanderkarte, die markierte Routen wie den NW15 oder den Natura Trail enthält. Letzterer ist mit 13,5 Kilometern der längste ausgeschilderte Weg — gut, wenn Sie einen halben Tag einplanen wollen.
Die Sache mit dem Joggen — und warum ich aufhören musste
Ich habe zwei Jahre lang versucht, im Spandauer Forst zu joggen. Es hat nicht funktioniert. Nicht wegen der Strecke, sondern wegen des Bodens.
Nach dem Regen verwandelt sich der sandige Untergrund in eine Mischung, auf der man entweder ausrutscht oder sich einen Fuß verknackst. Ich habe mir dabei eine Außenbanddehnung geholt, die mich sechs Wochen aus dem Sport geworfen hat — und für einen Einsteiger, der sich gerade erst motiviert hatte, war das ehrlich gesagt der Aus. Seitdem gehe ich. Ganz einfach. Und es ist die beste Entscheidung, die ich in Bezug auf diesen Wald getroffen habe.
Wer trotzdem joggen will: bleiben Sie auf den befestigten Hauptwegen, und meiden Sie die Abschnitte nördlich des Wildgeheges nach Regenfällen. Das ist kein absoluter Rat, nur meine Erfahrung.
Der Forst im Jahresverlauf — wann er am meisten hergibt
Die meisten Fotos vom Spandauer Forst, die ich sehe, entstehen im Herbst. Verständlich. Aber der April und der späte Oktober sind zwei völlig unterschiedliche Orte, und ich würde mich schwer tun, mich zu entscheiden.
| Jahreszeit | Was Sie erwartet | Meine Empfehlung |
|---|---|---|
| Frühling (April–Mai) | Frisches Grün, rufende Vögel, weiche Wege | Sehr früh, vor sechs Uhr los |
| Sommer (Juni–August) | Dichter Baumbestand, aber auch Stechmücken | Mückenspray einpacken |
| Herbst (September–November) | Laub, Nebel, das beste Fotolicht | Meine Lieblingszeit |
| Winter (Dezember–Februar) | Kahl, still, oft menschenleer | Handschuhe, Stirnlampe |
Kurz gesagt: Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Charakter, und ich habe in zwölf Monaten zwölf verschiedene Gesichter gesehen.
Was ich Ihnen mitgebe
Der Spandauer Forst ist kein Ort, den man abhakt. Er ist ein Ort, an den man zurückkommt, und das meistens besser vorbereitet als beim ersten Mal.
Ob er „frei" ist, hängt von der Woche ab. Ob es sich lohnt, nicht. Die Tiere sind da, das Wildgehege ist offen, der Eintritt kostet nichts, und wer früh genug aufsteht, bekommt den Wald für sich.
Falls Sie also demnächst mit einer Thermoskanne vor dem Parkplatz stehen und sich dieselbe Frage stellen wie ich an jenem Oktobermorgen — gehen Sie einfach rein. Die Antwort finden Sie auf dem Weg, nicht davor.